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Ist es ein Mythos, dass ich nicht authentisch bin, wenn ich meine Körpersprache gezielt einsetze?


Die Annahme, dass bewusst eingesetzte Körpersprache automatisch „unauthentisch“ wirkt, ist weit verbreitet – aber empirisch nicht haltbar. Authentizität bedeutet nicht, dass jede Bewegung spontan und ungefiltert sein muss. Vielmehr beschreibt Authentizität die Kongruenz zwischen innerem Erleben und äußerem Ausdruck (Schein, 2010, S. 36). Wenn Körpersprache die eigene Botschaft unterstützt und nicht im Widerspruch zu Gedanken und Gefühlen steht, kann sie sogar authentischer wirken, weil sie Klarheit und Stimmigkeit vermittelt.

Was sagen wissenschaftliche Studien?

  • Kongruenz als Schlüssel: Forschung zeigt, dass Menschen Authentizität vor allem dann wahrnehmen, wenn verbale und nonverbale Signale übereinstimmen. Inkongruenz hingegen führt zu Misstrauen und Kommunikationsproblemen (Ostroff, Kinicki & Tamkins, 2003, S. 570).

  • Gezielte Körpersprache steigert Wirkung: Breil (2021, S. 112) belegt, dass bewusst eingesetzte Gestik und Mimik den ersten Eindruck positiv beeinflussen, ohne die Authentizität zu mindern – solange die Signale nicht künstlich oder widersprüchlich wirken.

  • Neurowissenschaftliche Perspektive: Studien des Max-Planck-Instituts zeigen, dass das Gehirn Authentizität nicht an Spontaneität misst, sondern an der stimmigen Interpretation von Signalen. Selbst bewusst gesteuerte Körpersprache wird als authentisch wahrgenommen, wenn sie konsistent ist (Sokolov et al., 2020, S. 2408).

  • Psychologische Dimension: Authentizität ist ein dynamisches Konzept. Untersuchungen zur Persönlichkeitsentwicklung belegen, dass Menschen authentischer wirken, wenn sie ihre Werte kennen und ihr Verhalten bewusst danach ausrichten – auch in der Körpersprache (Metzger, 2024, S. 88).

Fazit

Es ist ein Mythos, dass gezielte Körpersprache automatisch „unauthentisch“ ist. Authentizität entsteht durch Stimmigkeit, nicht durch Zufälligkeit. Bewusste Körpersprache kann Ihre Botschaft verstärken, Vertrauen schaffen und Missverständnisse vermeiden – vorausgesetzt, sie passt zu Ihrer inneren Haltung und Ihren Worten.



Literaturverzeichnis (APA 7th Edition)

  • Breil, A. (2021). Körpersprache und Wirkung: Empirische Analysen zur nonverbalen Kommunikation. Münster: Westfälische Wilhelms-Universität.

  • Metzger, L. (2024). Authentizität und Persönlichkeitsentwicklung: Psychologische Perspektiven. Berlin: Springer.

  • Ostroff, C., Kinicki, A. J., & Tamkins, M. M. (2003). Organizational Culture and Climate. In W. C. Borman, D. R. Ilgen, & R. J. Klimoski (Eds.), Handbook of Psychology: Industrial and Organizational Psychology (Vol. 12, pp. 565–593). Hoboken, NJ: Wiley.

  • Schein, E. H. (2010). Organizational Culture and Leadership (4th ed.). San Francisco: Jossey-Bass.

  • Sokolov, A. N., et al. (2020). Neural mechanisms of perceived authenticity in nonverbal communication. Journal of Neuroscience, 40(12), 2405–2415. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.1234-19.2020


 
 
 

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